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Ich bin nicht bereit, mich zu zeigen

  • Mira Mikosch
  • 18. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Sie schreibt mir zwei Tage vor dem Shooting.

„Mira, ich glaube ich verschiebe nochmal. Ich fühle mich gerade nicht wohl in meiner Haut."

Ich kenne diesen Satz. In verschiedenen Verkleidungen, aber mit demselben Kern.

Ich bin noch nicht bereit.

Frau sitzt auf einem Stuhl, Arme hinter dem Kopf verschränkt. Sie trägt ein dunkles T-Shirt. Hintergrund ist eine schlichte weiße Wand.

Dieser Satz klingt vernünftig. Verantwortungsvoll sogar. Als würdest du dir selbst einen Gefallen tun, wenn du noch ein bisschen wartest. Noch etwas lernst. Noch etwas veränderst. An dir. An deiner Website. An deinem Körper.


Aber worauf wartest du eigentlich?

Ich frage das nicht um dich zu drängen. Ich frage es, weil ich es selbst kenne. Weil ich jahrelang gewartet habe. Auf den richtigen Moment, das richtige Gewicht, das richtige Gefühl. Und der Moment kam nicht. Er kommt nie so, wie wir ihn uns vorstellen.

Frau sitzt in braunem Outfit auf Holzboden vor weißer Wand. Nachdenklicher Ausdruck, ruhige Atmosphäre.

Was wirklich dahintersteckt ist selten das, was wir sagen.

Nicht der falsche Haarschnitt. Nicht die Kilos oder die Website, die noch nicht fertig ist.

Dahinter steckt meistens diese eine Frage, die sich fast niemand laut zu stellen traut:

Was, wenn ich mich zeige, und es reicht trotzdem nicht?

Das ist die eigentliche Angst. Gesehen werden und trotzdem übersehen werden. Sich öffnen und trotzdem nicht ankommen.

Frau mit blauer Weste verschwommen in Bewegung, dunkler Hintergrund, roter Lippenstift, konzentrierter Ausdruck.

Ich habe Frauen vor meiner Kamera erlebt, die mir vorher sagten: „Ich bin das unfotogenste Wesen der Welt." Die am Ende bei Durchsicht ihrer Galerie geweint haben. Weil sie sich zum ersten Mal wirklich gesehen haben.

Das passiert nicht wenn der Moment perfekt ist.

Das passiert, wenn du dich traust.

Sichtbar sein heißt nicht perfekt sein. Es heißt sich zeigen, mit allem was gerade da ist. Nicht erst wenn du dich wohl genug fühlst. Nicht erst wenn das Bild aus deiner Sicht passt.

Jetzt. So wie du gerade bist.

Und die Angst davor? Die verschwindet nicht bevor du losgehst.

Sie verschwindet im Gehen.

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